Geschichtswettbewerb – "Schulen
im Archiv“
2007 entstand im Netzwerk Geschichte, einem Zusammenschluss jüngerer
Geschichtslehrer und Lehrerinnen im Raum Freiburg, die Idee einen
Wettbewerb ins Leben zu rufen, der „Schulen ins Archiv“ bringen
will. In enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Freiburger Archiven
(Staatsarchiv, Stadtarchiv Universitätsarchiv, Archiv für
soziale Bewegungen) und unterstützt von der Landeszentrale für
politische Bildung wird geschichtsinteressierten Schülerinnen
und Schülern die Möglichkeit geboten, sich einmal selbst
aktiv als „echte“ Historiker im Mikrokosmos der regionalen
Geschichte zu betätigen. Abseits vom üblichen, didaktisch
aufbereiteten Unterricht sollen die Teilnehmer ausgehend von im Archiv
selbst entdeckten Originalquellen eigenständig Fragen an historische
Zusammenhänge formulieren und zu beantworten versuchen. Ziel
ist es, die regionale Identität zu fördern, in wissenschaftliches
Arbeiten einzuführen und Problembewusstsein sowie Reflexionsvermögen
zu schulen. Auch kann der multiperspektivische Blick auf einen historischen
Sachverhalt den Schülerinnen und Schülern verdeutlichen,
dass historische Forschung immer nur Versuch einer Rekonstruktion
von Vergangenheit ist, was die Relativität, Mehrdeutigkeit und
Offenheit unseres Bildes der Geschichte vor Augen führt.
Anlässlich des 2007 bevorstehenden 40. Jahrestages der 68 – Bewegung
und der damit einhergehenden medialen und wissenschaftlichen Aufarbeitung
lag es nahe, für die 1. Runde des Wettbewerbs den Themenschwerpunkt „1968
in Freiburg“ zu wählen. Zudem fasziniert die vor 40 Jahren
in Deutschland wie vielen anderen Ländern der westlichen Welt
begonnene „gesellschaftspolitische Revolution“ noch heute
viele Schülerinnen und Schüler. Erstmals in der Bundesrepublik
begehrte die Jugend kreativ, wortgewaltig, mitunter gewalttätig
auf gegen alle überkommenen Werte und Vorstellungen der Eltern,
jener damals vorwurfsvoll als „Tätergeneration“ Bezeichneten,
die den Nationalsozialismus aktiv erlebt und danach totgeschwiegen
hatten.
Als Mitglied des Netzwerks freute es mich verständlicherweise
sehr, dass das DHG mit sechs Teilnehmern in drei Gruppen das zahlenmäßig
größte Kontingent derer stellte, die sich von Rückschlägen
nicht entmutigen ließen, die Belastung zusätzlich zu den „alltäglichen“ Anforderungen
der Kursstufe bis zum Ende auf sich nahmen und schließlich
einen fertiggestellten Wettbewerbsbeitrag ablieferten. Neben ihrem
prinzipiellen Interesse für die regionale Zeitgeschichte waren
die Schülerinnen und Schüler sicherlich auch dadurch motiviert,
dass das Regierungspräsidium dem Wettbewerb den Status einer „besonderen
Lernleistung“ zugebilligt hatte. Diese Einstufung ermöglichte
es den Teilnehmern, durch den Wettbewerbsbeitrag und ein zusätzliches
Kolloquium die Präsentationsprüfung im Abitur zu ersetzen,
was allen Beteiligten schließlich mit Erfolg gelang.
Bei der zunächst schwierigen Themenauswahl und Eingrenzung auf
einen Schwerpunkt stießen die drei Gruppen je nach Interesse
auf spannende Fragestellungen. Den Themen ist trotz aller Vielfalt
entsprechend der Wettbewerbsintention gemeinsam, die Geschehnisse
in Freiburg fokusartig zu betrachten, um sie dann in den Kontext
der Prozesse dieses national, ja global auftretenden Phänomens
der „68ger“ zu setzen.
So beschäftigten sich Nils Schuett und Jörn Bügler
mit den ersten Wasserwerfereinsätzen des Landes Baden-Württemberg
am 7.2.1968 in Freiburg im Zusammenhang mit den damaligen, Studenten-
und Schülerdemonstrationen gegen Fahrpreiserhöhungen.
Janina Waschkowski und Paula Schmelzer analysierten dagegen
die sexuelle Aufklärung in den 60ger Jahren auch anhand der Einführung
des Sexualkundeunterrichts am DHG, das damals als Pilotschule Impulse
und Ideen für ganz Baden-Württemberg lieferte.
Philomena Gottschaldt und Tobias Müller zuletzt betrachteten,
welchen Anteil neben den Studenten gerade auch Schülerinnen
und Schüler an den Protesten in Freiburg 1968 gegen die
Notstandsgesetze hatten und wie staatliche Instanzen, z.B. das
Oberschulamt, darauf
reagierten.
Wegen ihrer
sehr durchdachten und kritischen Reflexion des Arbeitsprozesses
sowie wegen
der kreativen
Umsetzung ihrer Erkenntnisse
in einem Planspiel wurde Philomena und Tobias schließlich
von der Jury einen 2. Preis im Wettbewerb zugesprochen.
Die Preisverleihung,
bei der alle Wettbewerbsbeiträge nochmals gesondert
gewürdigt
wurden, erfolgte am 17.11.2008 im Historischen Ratssaal
durch Oberbürgermeister
Dr. Salomon. Nach der gelungenen Premiere soll der regionale
Geschichtswettbewerb alle zwei Jahre durchgeführt
werden.