"ICH, CYBORG!?"
Premiere am 1. November 2009
"Optimierung
des menschlichen Gehirns" »Was die Schüler und Schauspieler in diesem Setting treiben,
lässt sich
vielleicht am besten als Themenparkrevue zum Begriff Cyborg beschreiben.
Am Blumenkohl werden Eingriffe ins Gehirn demonstriert, Schauspielerin
Uta Krause schlüpft in die bewegende Rolle eines tiefenhirnstimulierten
Parkinsonpatienten, während Morales ihr die entsprechenden elektronischen
Marionettenfäden auf den Leib projiziert, zwischendrin sammeln
sich alle zum gemeinsamen Cyborglied, dann geben sie einzeln ihr persönliches
Cyborg-Manifest ab. Das Angenehme der Inszenierung ist, dass sie die
verschiedenen Positionen zum großen Optimierungsprojekt der Menschheit
nebeneinander stellt und dem Zuschauer die Beurteilung überlässt.«
Badische Zeitung
 »Der Regisseur Hans-Werner
Kroesinger hat einiges unternommen, um die abstrakt-philosophische
Thematik anschaulich zu machen. Blumenköpfe,
an denen kräftig herumgeschnippelt wird, dienen als Gehirnpräparate.
Mit Schreibtischen, Bürolampen, Overheadprojektoren und weißen
Laborkitteln ist der Bühnenraum in eine Forschungsstätte
verwandelt worden. Ein interaktives Video projiziert Gesichter, Körper,
aber auch Zeichnungen, deren Formen sich ständig verändern,
auf zwei Leinwände und spiegelt somit Mutationsprozesse im Bild.
Die Jugendlichen greifen das Thema immer auch mal wieder in schnoddrigen
Rapsongs auf. Diese sind wie auch alle Texte und Dialoge vom Ensemble
selbst verfasst. Das Potential der Schüler liegt in ihrer Authentizität
und dem Engagement, mit dem sie sich das Thema so intellektuell wie
spielerisch unbekümmert zu Eigen machen.«
taz Interview
mit Dr. Oliver Müller zum Stück auf echo.fm.

»ICH ,
CYBORG!?«
Theatrale Zukunftsrecherche mit Jugendlichen und Schauspielern
Das vom Theater Freiburg
und dem Institut für Ethik und Geschichte
der Medizin der Freiburger Universität ins Leben gerufene und
von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Projekt »Optimierung
des menschlichen Gehirns« versucht in Kooperation mit fünf
Freiburger Schulen Jugendliche zwischen 16 und 19 Jahren für
die ethischen und anthropologischen Fragen aktueller und künftiger
Möglichkeiten des Eingriffs in das Gehirn zu sensibilisieren:
Denn sie sind es, die in 20 Jahren Techniken in der Hand haben, die
sie zur Selbstverbesserung nutzen können, die in einer Gesellschaft
leben werden, in der die Verfügung über kognitive Leistungen
und emotionale Zustände zur Normalität geworden sein könnte.
Nach einem intensiven Jahr voller Diskussionen, Klinikbesuchen, Gesprächen,
Lektüre, Informationen zu den Technologien und nach der künstlerischen
Präsentation der Rechercheergebnisse an dem Wochenende »Pimp
your Brain!«, am 18. & 19. April 2009, kulminiert das Projekt
in der Inszenierung »Ich, Cyborg?!«, die der Regisseur
Hans-Werner Kroesinger und sein Team auf der Grundlage der Vorarbeiten
gemeinsam mit 15 Jugendlichen und drei Schauspielern erarbeitet haben.

Warum »Cyborg«?
Ein Cyborg ist ein Mensch-Maschine-Mischwesen, das vor allem
aus der Science-Fiction bekannt ist und einen technisch
aufgerüsteten Menschen bezeichnet, der meist elementare menschliche
Eigenschaften um der Selbstperfektionierung willen oder in Folge
von fremder Steuerung verliert. In dem Projekt sind zunächst
die jugendlichen Imaginationsräume von Kino, Internet und
Computerspiel aufgegriffen worden. Gleichzeitig sollte dem Cyborg
aber das Sciencefictionhafte
genommen werden. Er dient vielmehr als Chiffre, mit deren Hilfe über
die Folgen von Technisierungen am eigenen Leib nachgedacht werden
kann. Mit dieser Chiffre lassen sich die Träume von der Verbesserung
ebenso zeigen wie die Ängste und Verunsicherungen, die hinter
dem Selbst-Cyborgisierungs-Bedürfnis stehen können. Wenn
uns Technik nicht mehr umgibt, sondern Teil unseres Selbst wird, ändert
sich auch unsere Vorstellung von dem, was wir sind und sein sollen.
Diesen möglichen Änderungen unseres Menschen- und Weltbildes
nachzugehen, stellten wir uns als Aufgabe – vor dem Hintergrund
der These, dass die Frage nach dem Cyborg als das fremde Eigene
zur Frage nach dem wird, wer wir als Menschen sind und wer wir
sein wollen.
Denn der Mensch versteht sich immer als das, was er nicht ist:
Sei es Gott, das Tier oder eben die Maschine. Diese ethisch-anthropologischen
Fragen galt es nicht nur in diesem
Projekt, sondern auch in dieser Produktion anhand der aktuell praktizierten
Neurotechnologien und anhand der in den nächsten Jahren ins
Haus stehenden Möglichkeiten der technischen Einwirkung auf
das Gehirn, sei es zur Heilung, sei es zur Selbstmanipulation zu
diskutieren. Dazu haben sich die Jugendlichen von Freiburger Klinikern
und Grundlagenforschern erklären lassen, wie der Stand der
Technik ist, was von den vielfältigen Mensch-Maschine-Schnittstellen
in den nächsten Jahren zu erwarten ist.

Vor
diesem Hintergrund haben sich die Projektteilnehmer mit den neuesten
Neurotechnologien
und den Erkenntnissen der Neurowissenschaften
befasst, um von hier zu Grundfragen ihrer Existenz zu kommen, um
fühlbar und sichtbar zu machen, was die Technisierung für
sie selbst und uns alle bedeuten könnte. Jeder der Jugendlichen
hat einen Text über sich selbst als Cyborg geschrieben, alle
haben viele Fragen formuliert, die die Grenzen von Mensch und Cyborg
umkreisen. Die Schauspieler haben sich mit Texten über eine
Gehirn-Obduktion, über die Geschichte der Hirnforschung und
mit Selbstbeschreibungen von Patienten mit Neuroimplantaten befasst
und im wechselseitigen Austausch Monologe verfasst. Alle gemeinsam
haben Texte von und über Neurowissenschaftler und Interviews
zu Dialogen und Szenen geformt und nicht zuletzt ein Lied über
das Besserwerden geschrieben. So sind verschiedene Texte entstanden,
die in ihren wechselseitigen Bezügen ein vielstimmiges Gespräch
bilden, in dem Träume formuliert, Möglichkeiten ausgetestet
und Sackgassen beschrieben werden. VON UND MIT: Eleonora Dutton
(Droste Freiburg),
Isabella Kammerer, Uta Krause, Tea Patsuria, Marie-Louise Reineke, Stephanie
Ringwald (Droste Freiburg), Nicola Schößler,
Sarah Strohmaier, Laura Trautmann, Isabella Waizinger, Luisa
Wirth (Droste Freiburg),
Frank Albrecht, Daniel Dorsch, Philip Flögel, Florian
Karner (Droste Freiburg), Marlon Ketterer (Droste
Freiburg), Mathias Linder,
Victor Morales, Carsten Plasberg, Benjamin Reich
REGIE: Hans-Werner Kroesinger
BÜHNE & KOSTÜME: Valerie von Stillfried
MUSIK & SOUND: Daniel Dorsch
VIDEO: Victor Morales
LICHT: Michael Philipp
DRAMATURGIE: Carolin Hochleichter, Oliver Müller
HUND: MIF 3, Cytec
Theater Freiburg [Der
Text ist komplett nachzulesen unter www.gehirn.bplaced.net] |