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Informationen zum Stück:
Kurt Pisters
The
Crucible (Die Hexenjagd) ,
der HUAC und das "Reich des Bösen"
"Ich
wünsche mir...ein kämpferisches Stück zu schreiben.
Es sollte...jenen...schleichenden Prozess ans Licht bringen, durch
den sich erweist, dass die Sünde des gesellschaftlichen Terrors
darin besteht, den Menschen seines Gewissens zu berauben und damit
seiner Persönlichkeit." - Arthur Miller spricht hier
als Aufklärer, der die Zerstörung und die Entwürdigung
des Menschen in einem Prozess schleichender gesellschaftlicher Gewalt
aufdecken will.
Man
muss sich dazu die Situation zur Zeit der Uraufführung des
Stückes am 22. Januar 1953, also vor 50 Jahren, vor Augen führen:
Der Hitlerterrorismus gegen Juden, Außenseiter und Andersdenkende
lag kaum 10 Jahre zurück, das Ausmaß des stalinistischen
Terrors ahnte man erst. Es war die Zeit des Kalten Krieges, in Korea
und Deutschland standen sich die Systeme feindlich gegenüber,
die Welt war in zwei Lager gespalten und in den USA war ein Klima
der Denunziation und der Verdächtigungen entstanden, unter
denen auch Arthur Miller zu leiden hatte. Der Senator John McCarthy
bediente sich des HUAC (House of Un-American Activities Committee),
des Ausschusses für unamerikanische Umtriebe, um Jagd auf Kommunisten,
Liberale und andere Verdächtige zu machen. Es wurden schwarze
Listen angelegt, inquisitorische Verhöre durchgeführt,
vor allem Intellektuelle verfolgt, festgenommen, in ihrer Existenz
bedroht.
Verhörfragen
des HUAC wie: "Lesen Sie viele Bücher" werden von
Miller fast wörtlich in Textteile seiner Hexenjagd umgesetzt,
wenn er Giles Corey sagen lässt: " Ich habe nur gesagt,
meine Frau liest Bücher, und dann kommen sie und holen sie
aus meinem Haus...Ich habe nicht gesagt, dass sie eine Hexe ist."
Miller verbindet die Schrecken der anachronistisch wirkenden Hexenjagd
in Salem aus dem Jahre 1693 mit den Schrecken der McCarthy-Ära,
er will den Zeitgenossen einen Spiegel zeigen, einen Zerrspiegel,
in dem schmerzhaft das andere Gesicht amerikanischer Tradition erscheint:
die Verbindung von Puritanismus und missionarischem Eiferertum,
von Fanatismus und Intoleranz.
Hier
sind nicht die Verfassungsväter am Werk, die aus den Leiden
der Verfolgungen und Glaubenskriege die Lehre in ihrer Formulierung
der Menschenrechte gezogen haben und die damit zugleich Erben der
europäischen und amerikanischen Aufklärung sind. Hier
herrscht die Unfähigkeit, Menschen anders wahrzunehmen als
durch das selbst gebastelte Theorem von Gut und Böse. Es gibt
nur Himmel und Hölle. Gegen den Protagonisten dieser engstirnigen
und egoistischen Welt, den Pastor Parris, wendet sich Proctor im
Stück: " Können Sie nicht mal eine Minute reden,
ohne dass wir wieder in der Hölle landen? Die Hölle steht
mir bis hier!" McCarthy folgte konsequent demselben Schema,
diesem Ungeist seiner Zeit, und selbst der spätere amerikanische
Präsidenten Ronald Reagan beschwor "Das Reich des Bösen".
- Seit wenigen Jahren ist an diese Stelle das Bild von der "Achse
des Bösen" getreten. Die Gegner scheinen austauschbar,.
Zerfällt die Welt erneut dichotomisch in zwei Lager? So wie
Danforth apodiktisch verkündet: "Dies ist eine strenge
Zeit, eine genaue Zeit. Wir leben nicht mehr in der Dämmerstunde,
wo sich das Gute mit dem Bösen mischte".
Arthur
Miller tritt ein für eine andere Welt, in der der Einzelne
als solcher wahrgenommen wird, dadurch seine Würde behält,
auch wenn er - wie Proctor und Elizabeth - dafür sein Leben
lassen muss. Helden der Moderne? Was hindert uns, sie zu bewundern?
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