| |
Rebekka Kricheldorf
Die Ballade vom Nadelbaumkiller
Mit
großem Schwung greift die mehrfach ausgezeichnete Dramatikerin
darin ein aktuelles gesellschaftspolitisches Thema auf. Voller Sprachwitz
nimmt sie den scheinbar unüberbrückbaren Konflikt zwischen
der sogenannten Generation X oder auch Golf-Generation genannt, die
sich mehr mit sich selbst zu beschäftigen scheint und eine
dubiose Verantwortungsscheu zeigt und der Babyboomer-Generation
aufs Korn.

Jan,
ein Schürzenjäger, der am liebsten sein zukünftiges
Erbe verprasst und als Kind schon den Weihnachtsbaum abgefackelt
hat, ist Opfer seiner Erziehung und sucht verzweifelt nach Grenzen.
Vater Franz, Jahrgang 1940, ein ehemaliger Hippie, mittlerweile Chef
einer gut gehenden Werbeagentur kann ihm diese nicht zeigen. Die
erfolgreiche Unternehmerin Elvira, ehemalige Weggefährtin Franz`,
hält ihre pragmatische Tochter Anna, ein Netzwerkkind des Jahrgangs
1985, für schrecklich konform.

Tine,
Jahrgang 1980, und Rudolf, Jahrgang 1975, zwei mittellose aber
begabte junge Menschen haben schon wegen ihrer Herkunft keine
Chance vom Kuchen etwas abzubekommen. Während Tine, die wandelnde
Handy-Werbetafel, längst kapiert hat, dass alle Schlachten geschlagen
und alle Träume geträumt sind, klammert sich Rudolf
noch an seinem Hilfsjob bei Jan fest.

Jans
Prinzengehabe erinnert stark an Büchners melancholischen
Leonce, der trotz aller Privilegien und Freiheiten müde ist
und nichts Neues für sich mehr finden kann. Sein Diener Valerio
muss wie Rudolf für alle Launen seines Herrn herhalten. Wird
Rosetta nur als Mätresse benutzt, darf Leonce der Todesengel
für die in den Tod verliebte Lena sein. Die Stimmung unterscheidet
sich in den 170 Jahre auseinander liegenden Stücken wenig: In
beiden wird überzeichnet, in beiden kann der Tod so mächtig
sein, weil das Leben so ohnmächtig scheint.

Mit
unserer Stückwahl wollen wir uns an der aktuellen Diskussion
des „clash of generations“ beteiligen. Wir hoffen, dass
wir mit den von uns vorgestellten Lebensentwürfen nicht nur
Denkanstöße geben, sondern auch Mut machen, immer wieder über
Erziehung neu nachzudenken.

|
|