Allgemeinbildendes Gymnasium mit sprachlichem,
naturwissenschaftlichem und künstlerischem Profil

    
 

Theater AG der Mittel- und Oberstufe                                             Direkt zu den Bildern

Henning Mankell
Die Geschichte von Nelio

 
 

Die Theater AG (Mittelstufe/Oberstufe) beschäftigt sich zur Zeit unter der Leitung von Frau Birner mit einer Theaterfassung des Afrika - Romans „Der Chronist der Winde“ von Henning Mankell.
Der Roman zeigt die Situation von Straßenkindern in Mosambique. Diese Kinder sind in grenzenloses Elend geworfen, waren zum Teil auf der Flucht vor marodierenden Banden, die häufig Kinder entführen und sie zu Kindersoldaten machen.
Die Straßenhändler und Marktfrauen erzählen sich und anderen die Geschichte von Nelio, damit sie nicht vergessen wird. Denn Nelio – eine Art „kleiner Prinz“ Afrikas – hat es verstanden, den Menschen um ihn herum zu zeigen, dass das Paradies, in dem man vor nichts und niemandem mehr Angst haben braucht, zwar auf keiner Landkarte verzeichnet ist, aber dennoch zu finden ist . Als Anführer einer Bande von Straßenkindern schafft Nelio es immer wieder, Hoffnung zu wecken und Träume zu verteidigen.


Premiere am Donnerstag,16.11.2006, 20.00 Uhr

Weitere Aufführungen am 17.,18. und 19.11.2006, jeweils um 20.00 Uhr



 
 
Nelio: Bilder von den Proben:
 
 
 
 
Nelio: Bilder von den Aufführungen:
 
 
                
DER AUTOR HENNING MANKELL


In Härjedalen, Nordschweden wurde am 3. Februar 1948 Henning Mankell geboren. Mit 17 Jahren zieht er nach Stockholm und wird zunächst Regieassistent am Riks Theater Stockholm. 1968 beginnt er als Autor und Regisseur zu arbeiten. 1972 fährt er zum ersten Mal nach Afrika. Dort findet er seine wahre Heimat, obwohl das Leben dort „zehnmal härter ist" als in Europa. In Afrika entwickelt er eine kritische Distanz zu Europa. 1979 veröffentlicht Henning Mankell seinen ersten Roman „Das Gefangenenlager, das verschwand". In den darauf folgenden Jahren arbeitet er für verschiedene Theater als Regisseur, Autor und Intendant in Schweden. Er pendelt zwischen Europa und Afrika hin und her. 1985 wird er eingeladen, in Mosambik beim Aufbau einer professionellen Theatertruppe in Maputo zu helfen. 1986 wird Mankell der Leiter des 70köpfigen Teatro Avenida in Maputo/Mosambik, des einzigen professionellen Theaters in Mosambik, und er ist es bis heute.
In Maputo entstehen seit 1990 auch große Teile seiner „Kurt-Wallander-Krimis". Die Sommermonate verlebt Mankell oft in Schweden, zusammen mit seiner dritten Ehefrau Eva, der Tochter von Ingmar Bergmann. Sie ist Theaterregisseurin und leitet eine Bühne in Göteborg.
Seit im Frühjahr 2000 seine Wahlheimat Mosambik von einer verheerenden Flutkatastrophe heimgesucht wurde, bei der über 700 Menschen starben, setzt sich Mankell für die notleidenden Menschen, zusammen mit der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen", ein. Auch hier bleibt er seiner kritischen Position treu. „Viele sagen, die Hilfe für Mosambik sei drei oder vier Wochen zu spät gekommen. Sie ist mindestens acht Jahre zu spät gekommen", so fasst er seine bittere Kritik zusammen. Die westlichen Industriestaaten haben seiner Wahlheimat, unter dem Vorwurf der Korruption, die Hilfe zur Selbsthilfe verweigert. Sie haben dem Land den „Feuerlöscher" verboten und kommen selbst dann, wenn es brennt, viel zu spät.

aus: RomanWelten - Henning Mankells mörderisches Schweden,
auf der website www.wallander-web.de

 
 

Die Zeit 36/2003

Moderne Sklaverei
Die Kindersoldaten leiden lebenslang an ihren Ängsten.

Ein Interview mit Andreas Rister von Terre des Hommes

ZEIT: Wo überall werden heute Kindersoldaten eingesetzt?
Andreas Rister: Es gibt zurzeit 36 Kriege weltweit, in denen Kindersoldaten kämpfen, in Afrika, Lateinamerika, Asien. In Europa hat sich die Zahl verringert, seit der Jugoslawien-Krieg beendet ist. Aber im Kaukasus gibt es nach wie vor Kindersoldaten. Die meisten minderjährigen Soldaten werden in Burma rekrutiert beziehungsweise in Myanmar, wie die Militärregierung das Land jetzt nennt. Dort soll es Schätzungen zufolge 70000 Soldaten unter 18 Jahren geben. Der Kontinent mit den meisten Kindersoldaten ist aber Afrika, 120000 kämpfen hier in verschiedensten Gruppen und Rebellenorganisationen, auch in staatlichen Armeen.
ZEIT: Gab es immer schon Kindersoldaten, oder handelt es sich um ein neuzeitliches Phänomen?
Rister: Kinder haben von jeher an Kriegen teilgenommen. Aus dem Mittelalter ist der Knappe bekannt, der beim Ritter gewissermaßen in Ausbildung war. Es gibt Berichte über die englische Kriegsflotte, wo die Kindersoldaten powderapes hießen, also „Pulveraffen". Diese Kinder standen in den Schlachten vorn an den Kanonen, um die Rohre zu befüllen; dafür musste man klein sein. Im Zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland den so genannten Volkssturm, also das letzte Aufgebot des Hitlerregimes aus ganz Alten und ganz Jungen.
ZEIT: Was macht heute das Schicksal von Kindersoldaten aus?
Rister: Besorgniserregend ist in den letzten Jahren die Entwicklung von sehr leichten, einfach zu bedienenden Waffen. Das hat die Altersgrenze noch weiter nach unten gedrückt. Kriege in zerfallenden Staaten wie Liberia oder Sierra Leone dauern quälend lange, dies führt dazu, dass die Krieg führenden Parteien auf immer jüngere Soldaten zurückgreifen, weil die Älteren geflohen oder längst tot sind. Als besonders schlimm empfinde ich, dass Kinder zwangsrekrutiert werden, nur damit die Gegner sie nicht kriegen. In manchen Regionen dient die Rekrutierung von Kindersoldaten auch als Instrument zur Unterdrückung von oppositionellen Gruppen und Ethnien. Das Schicksal vieler Kindersoldaten ist eine Form der Sklaverei.
ZEIT: Was passiert mit den jungen Mädchen?
Rister: Sie stellen mit 30 Prozent einen sehr hohen Anteil an den Kindersoldaten. Sie werden nicht nur als Kämpferinnen rekrutiert, sondern auch, um die sexuellen Bedürfnisse' der Soldaten zu bedienen.
ZEIT: Was hat es zur Folge, wenn Kinder in Kriegen Gewalt erfahren und auch selbst angewendet haben?
Rister: Viele Kinder und Jugendliche werden verwundet, sie erblinden, werden taub vom Explosionslärm, verlieren Gliedmaßen. Die meisten von ihnen leiden im Erwachsenenalter unter einem posttraumatischen Stresssyndrom. Das heißt, wenn bestimmte Schlüsselreize auftreten, zum Beispiel eine zuschlagende Tür, die als Knall wahrgenommen wird, dann kommen die ganzen Ängste und Traumatisierungen wieder hoch. Hinzu kommt, dass die Kinder keine Menschen mehr haben, denen sie vertrauen können. Ihre Eltern, ihre Familie haben sie meist verloren.
ZEIT: Können diese Kinder als Erwachsene wieder Gefühle entwickeln und andere Menschen lieben?
Rister: Ja. Es gibt Untersuchungen, die bestätigen: Es gibt ein psychisches Zurück. Voraussetzung ist allerdings, dass die materielle Lebenssituation dieser Jugendlichen nicht völlig katastrophal ist und dass man sich wirklich um sie kümmert und sich um sie bemüht. Problematisch ist es, wenn die Kinder sich selbst überlassen werden. Dann steigt die Gefahr, dass sie sich mit Waffengewalt besorgen, was sie zum Leben brauchen.
ZEIT: Welche Initiativen zur Wiedereingliederung von Kindersoldaten gibt es?
Rister: Es gibt Programme in verschiedenen Ländern. Ein Beispiel ist Sierra Leone. Familienzusammenführung ist dort eine Maßnahme, die Rückführung in die Ursprungsgemeinden, was immer davon noch übrig ist. Dazu gibt es Ausbildungsangebote. Wichtig ist aber auch die Prävention. Aufklärungsarbeit kann dazu beitragen, dass gefährdete Kinder lernen, wie sie sich gegen Rekrutierung.wehren können. Terre des hommes unterstützt zum Beispiel in Kolumbien Aufklärungskampagnen gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten. Es ist entscheidend, dafür zu sorgen, dass bewaffnete Gruppen, Rebellen, aber auch die Staaten keinen Zugriff auf die Kinder haben. -
ZEIT: Wie lässt sich das erreichen? Hat die Staatengemeinschaft dazu die Möglichkeit?
Rister: Sie kann zum Beispiel, worauf ich setze, das neue Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention vom Februar 2002 anwenden. Darin verpflichten sich die Staaten, keine Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren mehr einzuziehen. Das ist ein völkerrechtliches Instrument und inzwischen von 50 Ländern ratifiziert. Die UN haben sich außerdem im Weltsicherheitsrat schon viermal mit der Frage beschäftigt. Beim letzten Mal wurde eine Liste jener Staaten erstellt, die in Sachen Kindersoldaten unter besonderer Beobachtung der UN stehen. Große Hoffnungen setze ich auf den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, der demnächst arbeitsfähig sein wird. Nach seinem Statut kann als Kriegsverbrecher verurteilt werden, wer unter 15-Jährige in den Krieg schickt. Das bedeutet, der Strafgerichtshof kann Anklage erheben, die Kriegsverbrecher festnehmen und aburteilen. Das sind alles keine Patentrezepte, aber wir sind ein Stück weitergekommen, es gibt heute ein Bewusstsein für das Unrecht, das da geschieht.
Andreas Rister ist bei der Kinderhilfsorganisation terre des hommes Referent für Kinder in bewaffneten Konflikten.
Fragen von Roland Kirbach

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