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Die Theater AG der Mittelstufe
( Leitung: Angelika Birner) besteht aus 21 Schülerinnen und Schülern
der Klassen 7 bis 9.
Am 18. Juli und am 27./28.
September, jeweils um 20 Uhr, wird die neue Produktion "DESPERADO"
gezeigt.

Die Theater AG möchte
mit diesem Stück zum Nachdenken über die aktuelle Situation
an Schulen anregen. Erwachsene und Jugendliche müssen lernen, auch
auf "lautlose Hilfeschreie" zu hören, denn Schüler
mit wenig Selbstvertrauen sind oft wehrlos gegen Mobbing. Im Stück
wird gezeigt, wie viele Leute die Augen verschließen und lieber
den Mund halten, weil es bequemer ist, sich nicht in eine Auseinandersetzung
zu begeben.

Wir haben in der Textvorlage von P. Klusen Passagen gestrichen und selbstentwickelte
Szenen eingefügt, um unsere Vorstellungen zum Thema deutlich zu machen.
Das Stück wendet sich an Jugendliche (ab etwa 13 Jahren) und Erwachsene
mit der Aufforderung:
Nicht die Augen verschließen - hinsehen
Nicht die Klappe halten - sich auseinandersetzen !
für die Theater
AG:
Judith Bischof,
Leo Eßbach,
Johannes Rittemann
Klasse 9b
Zum Stück:
Ein Desperado ist ein
Verzweifelter, aber auch ein Kämpfer gegen die Verhältnisse,
die seine Verzweiflung bedingen.
Mike Schulz ist zunächst ein ganz normaler, ruhiger Schüler.
Aber Mike hat Probleme in der Schule und mit den Eltern, und er hat nie
gelernt, sich auseinanderzusetzen.
Das Stück "Desperado" versucht anhand einzelner Szenen
aus Mikes Alltag gesellschaftliche und familiäre Strukturen darzustellen,
die Mike in eine Clique mit rechtsradikalem Anstrich treiben und schließlich
eine Gewalttat begehen lassen.

Mike wird ein Desperado, weil solche
Gruppen den Jugendlichen Geborgenheit und Anerkennung bieten und scheinbar
Solidarität im Kampf gegen die eigene Misere. Jeder sucht sich was
er braucht und der Wunsch dazuzugehören führt zur Akzeptanz
von Gruppenaktivitäten, die der Einzelne gar nicht unbedingt gutheißt
- man beugt sich der Gruppennorm.
Angelika Birner
Bericht
aus der BZ vom Mittwoch, 25. Juli 2001:
Blaulicht
und Brachialrock
auf der Bühne
VON
DOMINIC FRITZ
Kaum
ein Thema, über das in letzter
Zeit mehr geschrieben, gesendet und
debattiert wird: Rechtsradikalismus
und Gewalt bei Jugendlichen. Das
könnte vermutlich sogar davon abhal-
ten, den Medien-Dauerbrenner auch
noch als Thema einer Schultheater-In-
szenierung zu wählen. Zum Glück hat
sich die Theater-AG des Freiburger
Droste-Hülshoff-Gymnasiums trotz-
dem an Peter Klusens Theaterstück
Desperados" herangewagt
Das
Stück beginnt am Ende. Jugendliche
stehen auf der abgedunkelten Bühne im
Kreis um etwas herum, das nicht genau
zu erkennen ist. Blaulicht und düsterer
Brachialrock im Hintergrund. Wie das
mit dem Mike passieren konnte, verste-
he keiner, lamentieren die Jugendli-
chen, und schon löst sich die Szene ge-
spenstisch wieder auf.
Abseits
der Bühne, in gleißendes Licht
getaucht und vor eine weiße Wand ge-
stellt, erzählt dann ein Klassenkamerad
- wie in einem Prozess -, dass Mike kei-
ne Freunde hatte und dass er als Streber
verschrien war. Und wie ein roter Faden
ziehen sich diese Gerichtsaussagen" -
ähnlich wie in Frischs -Andorra" -
durch
die gesamte Handlung: jeweils
zwischen den Szenen sagen Lehrer, El-
tern oder Freunde von Mike etwas über
ihn aus. In den Szenen skizzieren die
Schauspieler dann verschiedene Le-
benssituationen von Mike, weniger als
fortlaufende, sich entwickelnde Hand-
lung, sondern vielmehr als schnelle
Blitzlichter, die einzelne Lebensberei-
che wie Mikes Familie oder die Schule
beleuchten. Und soviel ist sehr bald
schon zu erkennen: Mike, großartig ge-
spielt von Max Färber, ist ein Verlierer-
typ mit Seitenscheitel, der eigentlich viel
lieber an Mofas rumbastelt, als für die
Schule zu lernen, - wozu ihn seine spie-
ßigen Eltern standig verdonnern.
In
der Klasse wird Mike denn auch
permanent gemobbt, Freunde hat er
keine, - mit einer Ausnahme: der liebe-
volle Macho Henning, überzeugend ge-
spielt von Markus Kopp. Der hilft ihm
manchmal beim Mofa-Reparieren. Als
der Klassen-Arsch" Mike eines Tages
die Schule schwänzt, um im Park in aller
Ruhe Motorradzeitschriften zu lesen,
trifft er die Jugendclique Desperados".
Weil sich die blonde Ratti", hinreißend
sexy interpretiert von Laura Zellner, in
ihn verliebt, wird Mike blitzschnell Mit-
glied der Desperados. Für die Zuschauer
fast ein bisschen zu schnell: die Ver-
wandlung vom braven Streber zum auf-
müpfig coolen Gangmitglied kommt ab-
rupt und ist dann auch in der Folge län-
ger gewöhnungsbedürftig. Und wenig
überzeugend ist leider auch die Darstel-
lung der rechtsradikal angehauchten
Desperados: die wirken wenig authen-
tisch in ihrer Aufmachung als Punks aus
den 80er Jahren. Während eines Disco-
besuches, mit sehenswerten, netten
Tanzeinlagen (Choreographien von Sa-
bine Noll), sticht Mike im Affekt auf den
provozierenden Klassenekel Geier (Mat-
thias Andris) ein. Gruselig herausgeho-
ben wird diese Szene mittels blitzender
Stroboskoblampe, die alles in Zeitlupe
erscheinen lässt und die souveräne Be-
leuchtungsarbeit der Bühnentechniker
bestätigt. Mit diesem Szenario wird das
Schlussbild eingeleitet: fassungslos um-
kreisen die Jugendlichen den am Boden
liegenden Mike - dasselbe Bild wie zum
Auftakt und ein sehr plötzliches, aber ef-
fektives Ende.
Ohne
erhobenen Zeigefinger wurde
hier nachdenkliches und rasantes Thea-
ter geboten, das möglicherweise ein
bisschen unter der klischeebeladenen
Vorlage des Autors Peter Klüsen litt Das
Thema Rechtsradikalismus" wird je-
doch fast nur am Rande behandelt; dafür
wird mit den von der Theater-AG hinzu-
gefügten Klassenszenen das Mobbing
ausführlicher behandelt Die eigene Er-
arbeitung der Gewalt-Thematik inner-
halb der Schauspieltruppe war vor allem
Regisseurin Angelika Bimer wichtig.
Ob
mit dieser Inszenierung auch das
Publikum einen Denkanstoß bekommen
hat? Ich wünsche es mir", meint Ange-
lika Bimer. Was der Truppe auf jeden
Fall gelungen ist, ist eindrucksvolles
Schülertheater. Dass das weniger einer
stringenten Handlung, denn überzeu-
gender schauspielerischer Leistung und
einer klugen Inszenierung zu verdanken
ist, tut diesem Erfolg keinen Abbruch.
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