......SG....

.............

 

 

 

Geschichte
des
Droste-Hülshoff-Gymnasiums
1946-1976

Von Erika Wellmer und Michael Tocha
anläßlich der 30-Jahr-Feier 1976

-gekürzte Fassung-

Die eigentliche Geschichte des Droste-Hülshoff-Gymnasiums beginnt mit dem Jahr 1946. Zwischen dem Kriegsende 1945 und dem Gründungsjahr unserer Schule liegt auch für den Bereich der Schule eine denkwürdige Zeit. Es ist allerdings nicht zu berichten von einem glanzvollen Neuanfang, sondern vielmehr von der Wiederaufnahme des Unterrichts sozusagen aus dem Nichts. Der Krieg hatte große Teile Freiburgs in Trümmer gelegt. Von den Höheren Schulen war das alte Berthold-Gymnasium gegenüber dem Stadttheater vom Erdboden verschwunden, die Rotteck- und die Ludendorff-Oberrealschule (heute Kepler-Gymnasium) waren schwer beschädigt und in diesem Zustand nicht sofort verwendbar, die Hindenburgschule (heute Goethe-Gymnasium) war von der französischen Besatzungsmacht belegt, so daß für alle Freiburger Höheren Schulen nur das unbeschädigte Friedrich-Gymnasium am Ludwig-Aschoff-Platz zur Verfügung stand.

Politisch hatte das alte Baden aufgehört zu existieren. Der Rumpfstaat Baden mit Freiburg als Hauptstadt stand unter französischer Besatzungshoheit, besaß aber eine eigene „Regierung". Für das Unterrichtswesen war bei Wiederbeginn der Schulen Herr Ministerialdirektor Dr. Ott zuständig. Er traf auf die oben geschilderte räumliche Situation. Um überhaupt anfangen zu können, wurde am Aschoff-Platz zunächst ein dreischichtiger Unterricht eingerichtet: je nach Klassenstufe reduzierte man die Stundentafeln auf 12 - 20 Stunden. Die Knaben-Oberrealschulen und die Mädchen-Oberrealschule teilten sich für den Unterricht den Vormittag, und das humanistische Gymnasium hatte am Nachmittag Schule.

Mit diesem dürftigen Unterrichtsangebot war immerhin der Anfang gemacht. In der unmittelbaren Folgezeit verbesserte sich die Überbelegung dadurch, daß die Mädchen-Oberrealschule (zum Teil) in das Gebäude des 1941 aufgehobenen St.-Ursula-Gymnasiums auswich und das Rotteck- und Kepler-Gymnasium beziehbar gemacht wurden. Nachdem das St. Ursula-Gymnasium aber am 14. Januar 1946 seinen Betrieb wieder aufgenommen hatte, machte die neue Raumnot eine Regelung notwendig.

In einem Erlaß vom 29. Juli 1946 verfügte das Badische Unterrichtsministerium die Teilung der Mädchen-Oberrealschule. Der Stamm verblieb zunächst an der Eisenbahnstraße, der andere Teil kehrte als Mädchen-Oberrealschule II an den Aschoff-Platz zurück. Und in einem Erlaß vom 28. September 1948 wurde die Namensnennung geregelt: aus dem numerierten Mädchen-Gymnasium wurde das Droste-Hülshoff-Gymnasium. Welche Überlegungen zu diesem Beschluß führten, ist heute nicht mehr festzustellen, dagegen kann als sicher gelten, daß die Lehrerkonferenz der M. 0. sich mehrheitlich mit dem Namen einverstanden erklärte.

Die neue Mädchen-Oberrealschule nahm zu Schuljahrsbeginn 1946/47 mit 17 Lehrkräften und 342 Schülern in 13 Klassen ihren Betrieb auf. Zu ihrem Leiter wurde im September Herr J. Longerich bestellt, der von 1920 - 46 Professor an der Hindenburgschule und dann für wenige Monate Direktor des Konstanzer Mädchen-Gymnasiums gewesen war. Mit dem Droste war eine kleine Schule entstanden, die Chancen zu einer ruhigen Entwicklung gehabt hätte, wenn die Zeitumstände danach gewesen wären. Aber das damalige Leben im allgemeinen und das Schulleben im besonderen standen im Zeichen der Belastungen und Schwierigkeiten der unmittelbaren Nachkriegszeit. Es herrschte der Mangel: es gab keine Lehrbücher, da die bisherigen verboten, neue noch nicht geschaffen waren, so daß der Unterrichtsstoff durch mühselige Vervielfältigungen oder durch Diktat dargeboten werden mußte, Schreibwaren waren rar für Lehrer wie Schüler, im Winter fehlte es an Heizmaterial, so daß Unterricht ausfallen mußte (Kohlenferien!) oder verkürzt in kalten Klassenzimmern gehalten wurde; das Mobilar war ein Sammelsurium, das man sich irgendwo beschafft hatte, die Holzkiste als Papierkorb galt als Zeichen des Fortschritts. Gravierender war der Lehrermangel: viele Lehrer waren nicht oder noch nicht aus dem Krieg und der Gefangenschaft zurückgekehrt, andere mußten zunächst das Entnazifizierungsverfahren durchlaufen. Daß Lehrer und Schüler täglich Hunger litten, ergänzt das dunkle Bild dieser schweren Zeit. In diesem Zusammenhang sollen in Dankbarkeit die Schweizer-Quäker-Speisungen erwähnt werden, die auch im Droste durchgeführt wurden. All dies traf nicht nur unsere Schule allein. Anders war es mit der größten Belastung, die sich aus der eingangs geschilderten Schulsituation Freiburgs ergab: das Droste besaß kein eigenes Gebäude, und es gab zu dieser Zeit kaum Hoffnung auf eine baldige Änderung dieses Zustands. Das Schulhaus am Aschoff-Platz, das einmal für höchstens 450 Schüler erbaut worden war, gehörte rechtmäßig dem humanistischen Gymnasium, dem Berthold-Gymnasium. Sein Schicksal war es, unsere Schule aufnehmen zu müssen, unser Schicksal, für viele Jahre „Untermieter" zu werden. Das hieß in der Praxis, daß nach der Einführung normaler Wochenstundenzahlen das Schulhaus von morgens bis abends voll belegt war, daß beide Schulen Schichtunterricht hatten, wobei die Schichten: Vormittags-Nachmittagsunterricht zunächst monatlich, später aber wöchentlich wechselten. Wenn man diesen Schichtunterricht nicht selbst erlebt hat, muß man viel Fantasie aufbieten können, um die Belastungen für alle Beteiligten, Direktion, Lehrer, Schüler, Eltern und die zugehörigen Familien, erahnen zu können. Hatte man vormittags Unterricht, war die Welt in Ordnung, der Tagesrhythmus verlief normal. Nicht so dagegen beim nachmittäglichen Unterricht. Beinahe nahtlos lösten die beiden Schulen sich ab. Daß hier Luft und Sauberkeitsprobleme anstanden, war von geringerer Bedeutung als die Tatsache, daß der Tagesrhythmus jetzt auf dem Kopf stand. Zur Zeit des größten Leistungsabfalls mußte mit der Hauptarbeit des Tages angefangen werden. Da der Unterricht am Nachmittag bis 18.15 Uhr dauerte, machten sich die Schülerinnen, auch die kleinen, im Winter erst nach Einbruch der Dunkelheit auf den Heimweg — ein Zustand, der, je länger er dauerte, desto mehr ein Ärgernis wurde, besonders auch, weil relativ viele Auswärtige davon betroffen waren. Der Schichtunterricht mit seinen inhumanen Erscheinungen hat volle 12 Jahre gedauert. Erst 1958 war der Neubau für das Berthold-Gymnasium an der Hirzbergstraße bezugsfertig. In der Festschrift zu diesem Anlaß meint man geradezu ein Aufatmen über das Ende der „großen Not" des „unseligen" Schichtunterrichts zu vernehmen.

Der Umzug des Berthold-Gymnasiums war im selben Sinne ein Tag der Freude für das Droste. Aber es fehlte nicht der Tropfen Wermut im Becher der Freude: Den Schichtunterricht hatte man hinter sich, aber mit neuer räumlicher Beengung mußte man fertig werden. Einige Unterstufenklassen eines zukünftigen Friedrich- Gymnasiums verblieben als Grundstock im Erdgeschoß der Schule, während in unserer Schule wegen der großen Zahl der Neuanmeldungen die Anzahl der Klassen vorübergehend von 18 auf 20 erhöht werden mußte. Es liegt nahe, bei diesen Zuständen sich einen unproduktiven und tristen Schulalltag auszumalen. Aber er war weder das eine noch das andere. In dem Maße, in dem sich das Leben überhaupt normalisierte, normalisierte sich auch das schulische Leben. Die Lehrer dieser Jahre kamen nicht nur ihrem dienstlichen Auftrag voll nach, sondern haben aus Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen dieser schweren Jahre, deren Schulbildung vielfach gestört und unterbrochen war, ein möglichst „normales" Schulleben angestrebt und auch ermöglicht. Davon legen erfolgreich abgelegte Reifeprüfungen ebenso Zeugnis ab wie eine rasche Entfaltung musischer Tätigkeit. Zum Beleg seien die allerersten genannt: im Dezember 1948 eine Mozartfeier im Maria-Hilf-Saal, ein Weihnachtssingen im selben Jahr im Kaufhaussaal; 1950 eine Drostefeier, in der die Schulpatronin nicht nur als Dichterin, sondern auch als Liederkomponistin gewürdigt wurde. — Im Dezember 1952 zeigten die Schülerinnen in einer ersten Ausstellung Web- und Metallarbeiten und begründeten damit eine schöne Tradition.

Das Generalthema der Jahre 1958—1966 war Planung und Fertigstellung eines eigenen Schulhauses, aus vielerlei Gründen ein schwieriges Problem. Zwei Direktoren widmeten ihm als Leiter der Schule ihre Zeit und Kraft, ihre Energie und Ausdauer. Nachdem Herr Direktor Longerich 1953 in den Ruhestand getreten war, übernahm Herr Professor Dr. Greiner, bis dahin Fachleiter für Französisch und Lehrer am Rotteck-Gymnasium, sein Amt. Nach seiner Pensionierung folgte ihm 1964 Herr Direktor Ketterer, der am Rotteck-Gymnasium stellvertretender Schulleiter gewesen war. Natürlich wollte und brauchte das Droste ein eigenes Schulhaus, natürlich sollte es eines bekommen. Die Frage war nur: wo, wann und wie. Und diese Frage hielt alle Beteiligten jahrelang in Atem und erhitzte die Gemüter, denn es gab auch hier Interessenkonflikte. Auf diese Weise dauerte es 20 Jahre, bis unsere Schule eine „Heimat" hatte, ein eigenes Schulgebäude. Das Schulhaus am Aschoff-Platz blieb auch nach dem Auszug des BG für das Droste nur „Asyl", da es auf lange Sicht für das wieder zu errichtende Friedrich-Gymnasium vorgesehen war. Überdies war es für die Bedürfnisse eines math.- naturwissenschaftlichen Gymnasiums nur unvollkommen ausgestattet. So blieb als einzige Lösung ein Neubau. Nach dem Generalbebauungsplan der Stadt vom Jahre 1955 sollte dieser Neubau „Auf dem Mättle" an der Schlüsselstraße errichtet werden, während für die neue Herderner Volksschule (heutige Weiherhof-Schule) das Gelände an der Brucknerstraße vorgesehen war. Das Grundstück an der Schlüsselstraße war unbestritten das bessere, günstiger im Schnitt und zentraler gelegen. So setzte alsbald ein Tauziehen zwischen den Anhängern der einen und der anderen Schule um diesen Standort ein. Insbesondere vertrat der Herderner Lokalverein die Ansicht, daß nur die Volksschule in Verbindung mit einer öffentlichen Bücherei, mit Mütterberatungsstelle, Volksbad und Versammlungsraum das kulturelle Zentrum des Stadtteils darstellen könne. Dieser Meinung schlossen sich schließlich auch Schulausschuß und Stadtrat an und beschlossen 1957/58 den Austausch der Standorte.

1958 wurde der Droste-Neubau zusammen mit den Handelslehranstalten II (Fehrenbachallee) auf den Dringlichkeitsplan für Schulneubauten gesetzt; doch zeigte sich bereits ein Jahr später, daß die begrenzten Finanzmittel der Stadt zwei derartige Projekte zur gleichen Zeit nicht zuließen. Da die Entlastung der Handelslehranstalten an der Glümerstraße mit 63 Klassen bei 36 Räumen noch vordringlicher war, wurden die Planungen für das neue Droste zunächst wieder eingestellt. Diese Entwicklung begreift man aus der zeitlichen Distanz als verständlich und folgerichtig. Wer aber dringend auf einen Zug wartet, wird trotz der ihm bekannten Gründe für die Verspätung immer ungeduldiger. So wurde ein „engerer Architektenwettbewerb", der 1962 ausgeschrieben wurde, hoffnungsvoll begrüßt. Sechs Architekten, die sich im Schulhausbau bereits hervorgetan hatten, wurden aufgefordert, bis zum 11.4.1963 ihre Entwürfe einzusenden. Dem Preisträger sollten auch die weiteren Planungen übertragen werden. Im Frühjahr 1963 entschied sich das Preisgericht dann für den Entwurf des Stuttgarter Architektenbüros Behnisch und Partner, später in weiten Kreisen bekannt und berühmt geworden durch das Olympia-Zeltdach in München. Im Juli 1964 gab der Gemeinderat grünes Licht für den Bau, im Frühjahr 1965 konnten die Bauarbeiten beginnen, als Termin für die Fertigstellung war der 31. Juli 1967 vorgesehen. Das Droste freute sich, unbeeindruckt, in seiner vorwiegend jugendlichen Unbekümmertheit, von den Baukosten in Höhe von 9,9 Mill. DM.

Als die Bauarbeiten begannen, war Herr Direktor Ketterer bereits Leiter der Schule, und er trug nun seinen Teil Verantwortung an dem Neubau. Nicht einmal das damalige Kollegium konnte ermessen, in welchem Maße er engagiert war und sich engagieren mußte, um die Interessen der „lebendigen" Schule gegenüber Gremien der Stadt und den Architekten zu vertreten. Als es um die Innenausstattung, besonders der Fachräume, ging, wurden auch die betreffenden Fachlehrer hinzugezogen. Wie um die lange Wartezeit wettzumachen, machte der Bau schnelle Fortschritte. Die Rohbauzeit wurde durch Montagebauweise in Fertigteilen so beschleunigt, daß bereits am 9.12.1965 das Richtfest gefeiert werden konnte, und knapp ein Jahr später, am 1.12.1966, dem Beginn des 2. Kurzschuljahres, zog die Schule in ihr neues Haus ein. Die Turnhalle war schon am 1.Oktober und einzelne Räume einen Monat später freigegeben worden. Die Schlüsselübergabe und die offizielle Eröffnung der neuen Schule erfolgten am 17. März 1967.

Daß der Neubau nicht unumstritten war, ist kein Geheimnis. Während die einen seine architektonische Aufgeschlossenheit und nüchterne Sachlichkeit lobten, bezeichneten andere den grauen Sichtbeton als „Herausforderung". Es ist hier nicht der Ort, sich mit diesen Auffassungen auseinanderzusetzen. Auch Angehörige des Droste fanden den in die Wohnlandschaft Herderns eingebetteten Bau mit seinen Terrassen gut gelungen, während andere vom Sichtbeton schockiert waren; der allergrößte Teil der Jugend aber, der aus dem damals noch nicht renovierten Schulgebäude von „anno dazumal" kam, fühlte sich im neuen Haus wohl. Der Leserbrief einer Oberprima soll stellvertretend für diese Einstellung sprechen: „Die Klasse Oberprima b des Droste-Hülshoff-Gymnasiums fühlt sich durch den neuen Schulhausbau in keiner Weise „herausgefordert"; im Gegenteil: im Vergleich zum alten Schulgebäude am Ludwig-Aschoff-Platz, das uns in seiner wilhelminisch überladenen Architektur eher bedrückte und mit zu einem Gefühl der Schulunlust beitrug, fühlen wir uns jetzt im Neubau auf erfreuliche Art „hereingefordert". Wir empfinden die sogenannte „graue Nüchternheit" des Hauses durchaus nicht störend. Sie vermittelt vielmehr eine Atmosphäre der Sachlichkeit, wie wir sie uns für unsere Schule als Idealfall wünschen. Gemütlichkeit haben wir daheim..." (22. März 1967)

Der Einzug ins neue, ins eigene Haus war für unsere Schule ein Tag der Erlösung und der Freude, und diesen Gefühlen gab auch, einige Monate später, die offizielle Feier Ausdruck — in den Reden und in einem Singspiel, wo Schülerinnen noch einmal von dem „fremden" Haus Besitz ergriffen und staunend seine „Attraktionen" entdeckten. Daß die neue Schule „die allerschönste" sein mußte, war bei dieser Gelegenheit wohl eine erlaubte Übertreibung. Es soll nicht vergessen werden, daß die Schule in dieser Feier auch der Dichterin gedachte, die ihr den Namen gegeben hatte, weder Pflichtübung noch Huldigung, sondern schlichte Besinnung auf die Droste. Feiern und Feste haben ihre eigenen Gesetze. Wenn der Alltag zurückkehrt, ist die Auseinandersetzung mit der Realität an der Tagesordnung. Nicht anders war es nach dem 17. März 1967. Und zur Realität gehörte auch das neue Haus mit der ihm eigenen Konzeption. Wir hatten während der Wintermonate bereits Erfahrungen mit dem Neubau gewonnen. Am unangenehmsten war uns die zu geringe Luftfeuchtigkeit in den Räumen aufgefallen. Auseinanderzusetzen hatten wir uns auch mit der „Offenheit" des Hauses, Ausdruck einer „offenen Gesellschaft", die die notwendige Einschränkung der Freizügigkeit der Schüler während der Schulzeit sehr erschwerte. Daher immer wieder der Ruf nach einer neuen, besseren Hausordnung!

Der Neubau bezeichnet zweifellos eine wesentliche Zäsur in der Geschichte unserer Schule. Aber das Schulgebäude gibt doch nur den äußeren Rahmen für Leben und Arbeit in der Schule ab. Das sollte sich in den 10 Jahren seines Bestehens deutlich zeigen. Eine wichtige Neuerung war im Schuljahr 1966/67 die Einführung der Koedukation, die das Gesicht der Schule fortan prägte. Das männliche Element, zunächst unterrepräsentiert, macht heute wohl die Hälfte der Schüler aus. 1966 hat die Aufnahme einer großen Zahl von Buben die Schülerzahl ansteigen lassen. Noch entschiedener bewirkte das die Auflage der Stadt für das Kurzschuljahr 1966/67 und das folgende normale Schuljahr 1967/68, alle in den übrigen Schulen nicht unterzubringenden Sextaner aufzunehmen. So kam es, daß das Droste 1967 5 Quinten und 6 Sexten hatte, das hieß 50 Prozent der gesamten Schülerzahl saß in den beiden untersten Klassen — es zeichnete sich ein aus seinen Nähten platzendes Droste-Hülshoff-Gymnasium ab! (Hinter dem Zustrom zu den Gymnasien stand eine Bildungspolitik, die hier nur mit den Stichworten „Student aufs Land" und „Gleichheit der Bildungschancen" angedeutet werden soll.)

Zur internen Notlage — Raumnot, Lehrermangel — kam nun 1968 die sogenannte Studentenrevolte, die auch die Schüler erfaßte. Hier wehte der Wind aus der politischen Ecke. Die Frage nach den Motiven, den Zielsetzungen, den Mitteln der protestierenden Studenten und Schüler kann nicht Gegenstand dieser Ausführungen sein. Es bleibt für das Droste zu konstatieren, daß es seiner stadtfernen Lage wohl verdankte, von der Unruhe und den Störungen weniger betroffen zu sein als andere Schulen Freiburgs. Es war allerdings früher Zielscheibe des Protestes als jene. Im November 1967 wurde die damals in der Schule stattfindende Religiöse Woche durch Aktionen der Humanistischen Studenten-Union unerwartet gestört. Wenn man im nachhinein den Briefwechsel zwischen Direktion, Elternvertreter, Eltern und HSU liest, erkennt man, daß zu diesem Zeitpunkt und in der anstehenden Frage es durchaus möglich war, den Standpunkt der Schule zu vertreten und Einmischung abzuwehren. In der folgenden Zeit war das wesentlich schwieriger oder gar nicht möglich. Trotzdem kam es nicht zum Chaos, wenn es auch kritische Augenblicke gab — davor wurde die Schule bewahrt durch den vernünftigen Einsatz von Schülern und Lehrern. Die Ereignisse dieser Zeit haben, wie überall, eine gewisse Veränderung des Klimas und des Stils bewirkt: ein Indiz dafür ist die von den Schülern gewünschte Abschaffung der feierlichen Schuljahrsabschlußfeier, in ihren Augen ein alter Zopf. Eine gemütliche Zeit war es nicht. Beim Durchblättern des Leitzordners mit seinen zahllosen Flugblättern, Stellungnahmen, Schülerzeitungen, Rundschreiben etc. spürt man das förmlich. Es ist jedoch tröstlich, zwischen dem Flugblatt der „Projektgruppe Internationalismus" und der Veröffentlichung des Arbeitskreises „Dynamische Demokratie" ein hektographiertes Blatt der damaligen Schulsprecherinnen: „Informationen zum Sommerfest" zu finden oder an anderer Stelle den handschriftlichen Dank einer Schulsprecherin an das Kollegium für die Mitwirkung bei den beliebten traditionellen Fasnachtsbällen. Feste wurden also immer noch gefeiert, ebenso wie Landschulheimaufenthalte stattfanden, Reisen nach Berlin gemacht, vergnügliche interne Abiturfeiern abgehalten, Wettkämpfe ausgetragen wurden. Hieran knüpfen sich für Schüler wie Lehrer viele schöne Erinnerungen — sie sollten über so viel Problematik nicht vergessen werden.

Die Entwicklung des Droste zur „großen" Schule beginnt, wie wir gesehen haben, 1967. Der damalige Direktor, Herr Ketterer, war gezwungen, die ersten einschneidenden Maßnahmen zu ergreifen: Fachräume, die lange erträumt und erhofft worden waren, wurden als Klassenzimmer benutzt, der große Raum für Klassenarbeiten wurde durch eine Zwischenwand in 2 kleine Klassenzimmer geteilt und ging für seinen Zweck verloren, selbst das kleine SMV-Zimmer „entfremdete" man und machte die Schülervertretung heimatlos. Zeitweilig mußten Räume in der Weiherhofschule in Anspruch genommen werden, so daß der aus der unmittelbaren Nachkriegszeit noch bekannte Pendelverkehr der Lehrer seine Wiederkehr feierte. Im Januar 1970 verlor die Schule ihren Direktor durch den Tod. Er starb nach kurzer, schwerer Krankheit bald nach seinem 60. Geburtstag. Im Dezember desselben Jahres übernahm Herr Oberstudiendirektor Dr. Klocke, bisher Schulleiter in Überlingen, die Schulleitung. Er hat den Höhepunkt des Wachstums der Schule mit annähernd 1000 Schülern, das heißt mit 35 Klassen erlebt und die damit verbundenen Schwierigkeiten zu meistern gehabt. Die Einführung des Fachraumsystems (Schüler wandern!) im Jahre 1972 brachte eine bessere Ausnutzung der vorhandenen Raumkapazitäten und milderte etwas die Raumnot. Aber es waren nicht nur räumliche Probleme mit der Expansion der Schule verbunden. Große Schulen bringen zwangsläufig zahlreiche pädagogische Notstände mit sich. Aus diesem Grunde vor allem wird die rückläufige Bewegung, die eingesetzt hat, von allen Beteiligten begrüßt. Vorausgesetzt, daß empfindliche Störungen unterbleiben, kann der Schrumpfungsprozeß mit einer inneren Konsolidierung verbunden sein. Auch Herr Direktor Klocke mußte sich noch mit Bauprojekten und Bauplänen befassen. Die Turnhalle reichte für die ständig steigenden Schülerzahlen schon bald nicht mehr aus. Grundsätzlich war die Stadt bereit, Abhilfe durch den Bau einer 2. Halle zu schaffen. Erst ein 2. Entwurf jedoch, der in der Größe den Vorstellungen der Sportlehrer und den Normen für Turnhallenneubauten entsprach, brachte die Angelegenheit weiter. Auch um den Standort gab es Auseinandersetzungen: gegen die Spielwiese prote- stierten die Nachbarn, so daß nur der Platz vor der alten Halle übrig blieb. Zu Beginn des Schuljahres 1976/77 konnte die moderne Turnhalle in Betrieb genommen werden — zur Freude der Schule, aber auch der Vereine, die allabendlich die Sporteinrichtungen des Droste benutzen. Wir sind am Ende unserer kurzen Rückschau angelangt. Was die Zukunft unserer Schule in allernächster Zeit bringt, wird sie mit den anderen Gymnasien teilen: die Einführung der reformierten Oberstufe, eine unter Umständen tiefgehende strukturelle Veränderung des Gymnasiums. Was aber ungeachtet dieser oder sonstiger Veränderungen Aufgabe der Schule sein wird und muß, ist nichts Neues, nichts Besonderes: es ist die Aufgabe aller, für die produktive Arbeit die notwendige Atmosphäre zu schaffen, es ist die Aufgabe der Lehrer, der heranwachsenden Jugend verständnisvolle Führung und Hilfe auf dem nicht immer leichten Weg durch die Gymnasialjahre zu geben. Die Rückschau auf die dreißigjährige Geschichte unserer Schule hat gezeigt, daß die Schule als pädagogische Provinz nicht außerhalb des Stromes der Zeit liegt, sondern an allen ihren Strömungen, guten wie schlechten, teilhat. Immer wird die Schule ein Kind ihrer Zeit sein.

  Seitenanfang      Droste allgemein