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Geschichte
des
Droste-Hülshoff-Gymnasiums
1946-1976
Von Erika Wellmer
und Michael Tocha
anläßlich der 30-Jahr-Feier 1976
-gekürzte
Fassung-
Die
eigentliche Geschichte des Droste-Hülshoff-Gymnasiums beginnt mit
dem Jahr 1946. Zwischen dem Kriegsende 1945 und dem Gründungsjahr
unserer Schule liegt auch für den Bereich der Schule eine denkwürdige
Zeit. Es ist allerdings nicht zu berichten von einem glanzvollen
Neuanfang, sondern vielmehr von der Wiederaufnahme des Unterrichts
sozusagen aus dem Nichts. Der Krieg hatte große Teile Freiburgs
in Trümmer gelegt. Von den Höheren Schulen war das alte Berthold-Gymnasium
gegenüber dem Stadttheater vom Erdboden verschwunden, die Rotteck-
und die Ludendorff-Oberrealschule (heute Kepler-Gymnasium) waren
schwer beschädigt und in diesem Zustand nicht sofort verwendbar,
die Hindenburgschule (heute Goethe-Gymnasium) war von der französischen
Besatzungsmacht belegt, so daß für alle Freiburger Höheren Schulen
nur das unbeschädigte Friedrich-Gymnasium am Ludwig-Aschoff-Platz
zur Verfügung stand.
Politisch
hatte das alte Baden aufgehört zu existieren. Der Rumpfstaat Baden
mit Freiburg als Hauptstadt stand unter französischer Besatzungshoheit,
besaß aber eine eigene „Regierung". Für das Unterrichtswesen war
bei Wiederbeginn der Schulen Herr Ministerialdirektor Dr. Ott zuständig.
Er traf auf die oben geschilderte räumliche Situation. Um überhaupt
anfangen zu können, wurde am Aschoff-Platz zunächst ein dreischichtiger
Unterricht eingerichtet: je nach Klassenstufe reduzierte man die
Stundentafeln auf 12 - 20 Stunden. Die Knaben-Oberrealschulen und
die Mädchen-Oberrealschule teilten sich für den Unterricht den Vormittag,
und das humanistische Gymnasium hatte am Nachmittag Schule.
Mit
diesem dürftigen Unterrichtsangebot war immerhin der Anfang gemacht.
In der unmittelbaren Folgezeit verbesserte sich die Überbelegung
dadurch, daß die Mädchen-Oberrealschule (zum Teil) in das Gebäude
des 1941 aufgehobenen St.-Ursula-Gymnasiums auswich und das Rotteck-
und Kepler-Gymnasium beziehbar gemacht wurden. Nachdem das St. Ursula-Gymnasium
aber am 14. Januar 1946 seinen Betrieb wieder aufgenommen hatte,
machte die neue Raumnot eine Regelung notwendig.
In
einem Erlaß vom 29. Juli 1946 verfügte das Badische Unterrichtsministerium
die Teilung der Mädchen-Oberrealschule. Der Stamm verblieb zunächst
an der Eisenbahnstraße, der andere Teil kehrte als Mädchen-Oberrealschule
II an den Aschoff-Platz zurück. Und in einem Erlaß vom 28. September
1948 wurde die Namensnennung geregelt: aus dem numerierten Mädchen-Gymnasium
wurde das Droste-Hülshoff-Gymnasium. Welche Überlegungen
zu diesem Beschluß führten, ist heute nicht mehr festzustellen,
dagegen kann als sicher gelten, daß die Lehrerkonferenz der M. 0.
sich mehrheitlich mit dem Namen einverstanden erklärte.
Die
neue Mädchen-Oberrealschule nahm zu Schuljahrsbeginn 1946/47 mit
17 Lehrkräften und 342 Schülern in 13 Klassen ihren Betrieb auf.
Zu ihrem Leiter wurde im September Herr J. Longerich bestellt, der
von 1920 - 46 Professor an der Hindenburgschule und dann für wenige
Monate Direktor des Konstanzer Mädchen-Gymnasiums gewesen war. Mit
dem Droste war eine kleine Schule entstanden, die Chancen zu einer
ruhigen Entwicklung gehabt hätte, wenn die Zeitumstände danach gewesen
wären. Aber das damalige Leben im allgemeinen und das Schulleben
im besonderen standen im Zeichen der Belastungen und Schwierigkeiten
der unmittelbaren Nachkriegszeit. Es herrschte der Mangel: es gab
keine Lehrbücher, da die bisherigen verboten, neue noch nicht geschaffen
waren, so daß der Unterrichtsstoff durch mühselige Vervielfältigungen
oder durch Diktat dargeboten werden mußte, Schreibwaren waren rar
für Lehrer wie Schüler, im Winter fehlte es an Heizmaterial, so
daß Unterricht ausfallen mußte (Kohlenferien!) oder verkürzt in
kalten Klassenzimmern gehalten wurde; das Mobilar war ein Sammelsurium,
das man sich irgendwo beschafft hatte, die Holzkiste als Papierkorb
galt als Zeichen des Fortschritts. Gravierender war der Lehrermangel:
viele Lehrer waren nicht oder noch nicht aus dem Krieg und der Gefangenschaft
zurückgekehrt, andere mußten zunächst das Entnazifizierungsverfahren
durchlaufen. Daß Lehrer und Schüler täglich Hunger litten, ergänzt
das dunkle Bild dieser schweren Zeit. In diesem Zusammenhang sollen
in Dankbarkeit die Schweizer-Quäker-Speisungen erwähnt werden, die
auch im Droste durchgeführt wurden. All dies traf nicht nur unsere
Schule allein. Anders war es mit der größten Belastung, die sich
aus der eingangs geschilderten Schulsituation Freiburgs ergab: das
Droste besaß kein eigenes Gebäude, und es gab zu dieser Zeit kaum
Hoffnung auf eine baldige Änderung dieses Zustands. Das Schulhaus
am Aschoff-Platz, das einmal für höchstens 450 Schüler erbaut worden
war, gehörte rechtmäßig dem humanistischen Gymnasium, dem Berthold-Gymnasium.
Sein Schicksal war es, unsere Schule aufnehmen zu müssen, unser
Schicksal, für viele Jahre „Untermieter" zu werden. Das hieß in
der Praxis, daß nach der Einführung normaler Wochenstundenzahlen
das Schulhaus von morgens bis abends voll belegt war, daß beide
Schulen Schichtunterricht hatten, wobei die Schichten: Vormittags-Nachmittagsunterricht
zunächst monatlich, später aber wöchentlich wechselten. Wenn man
diesen Schichtunterricht nicht selbst erlebt hat, muß man viel Fantasie
aufbieten können, um die Belastungen für alle Beteiligten, Direktion,
Lehrer, Schüler, Eltern und die zugehörigen Familien, erahnen zu
können. Hatte man vormittags Unterricht, war die Welt in Ordnung,
der Tagesrhythmus verlief normal. Nicht so dagegen beim nachmittäglichen
Unterricht. Beinahe nahtlos lösten die beiden Schulen sich ab. Daß
hier Luft und Sauberkeitsprobleme anstanden, war von geringerer
Bedeutung als die Tatsache, daß der Tagesrhythmus jetzt auf dem
Kopf stand. Zur Zeit des größten Leistungsabfalls mußte mit der
Hauptarbeit des Tages angefangen werden. Da der Unterricht am Nachmittag
bis 18.15 Uhr dauerte, machten sich die Schülerinnen, auch die kleinen,
im Winter erst nach Einbruch der Dunkelheit auf den Heimweg — ein
Zustand, der, je länger er dauerte, desto mehr ein Ärgernis wurde,
besonders auch, weil relativ viele Auswärtige davon betroffen waren.
Der Schichtunterricht mit seinen inhumanen Erscheinungen hat volle
12 Jahre gedauert. Erst 1958 war der Neubau für das Berthold-Gymnasium
an der Hirzbergstraße bezugsfertig. In der Festschrift zu diesem
Anlaß meint man geradezu ein Aufatmen über das Ende der „großen
Not" des „unseligen" Schichtunterrichts zu vernehmen.
Der
Umzug des Berthold-Gymnasiums war im selben Sinne ein Tag der Freude
für das Droste. Aber es fehlte nicht der Tropfen Wermut im Becher
der Freude: Den Schichtunterricht hatte man hinter sich, aber mit
neuer räumlicher Beengung mußte man fertig werden. Einige Unterstufenklassen
eines zukünftigen Friedrich- Gymnasiums verblieben als Grundstock
im Erdgeschoß der Schule, während in unserer Schule wegen der großen
Zahl der Neuanmeldungen die Anzahl der Klassen vorübergehend von
18 auf 20 erhöht werden mußte. Es liegt nahe, bei diesen Zuständen
sich einen unproduktiven und tristen Schulalltag auszumalen. Aber
er war weder das eine noch das andere. In dem Maße, in dem sich
das Leben überhaupt normalisierte, normalisierte sich auch das schulische
Leben. Die Lehrer dieser Jahre kamen nicht nur ihrem dienstlichen
Auftrag voll nach, sondern haben aus Verantwortung für die Kinder
und Jugendlichen dieser schweren Jahre, deren Schulbildung vielfach
gestört und unterbrochen war, ein möglichst „normales" Schulleben
angestrebt und auch ermöglicht. Davon legen erfolgreich abgelegte
Reifeprüfungen ebenso Zeugnis ab wie eine rasche Entfaltung musischer
Tätigkeit. Zum Beleg seien die allerersten genannt: im Dezember
1948 eine Mozartfeier im Maria-Hilf-Saal, ein Weihnachtssingen im
selben Jahr im Kaufhaussaal; 1950 eine Drostefeier, in der die Schulpatronin
nicht nur als Dichterin, sondern auch als Liederkomponistin gewürdigt
wurde. — Im Dezember 1952 zeigten die Schülerinnen in einer ersten
Ausstellung Web- und Metallarbeiten und begründeten damit eine schöne
Tradition.
Das
Generalthema der Jahre 1958—1966 war Planung und Fertigstellung
eines eigenen Schulhauses, aus vielerlei Gründen ein schwieriges
Problem. Zwei Direktoren widmeten ihm als Leiter der Schule ihre
Zeit und Kraft, ihre Energie und Ausdauer. Nachdem Herr Direktor
Longerich 1953 in den Ruhestand getreten war, übernahm Herr Professor
Dr. Greiner, bis dahin Fachleiter für Französisch und Lehrer am
Rotteck-Gymnasium, sein Amt. Nach seiner Pensionierung folgte ihm
1964 Herr Direktor Ketterer, der am Rotteck-Gymnasium stellvertretender
Schulleiter gewesen war. Natürlich wollte und brauchte das Droste
ein eigenes Schulhaus, natürlich sollte es eines bekommen. Die Frage
war nur: wo, wann und wie. Und diese Frage hielt alle Beteiligten
jahrelang in Atem und erhitzte die Gemüter, denn es gab auch hier
Interessenkonflikte. Auf diese Weise dauerte es 20 Jahre, bis unsere
Schule eine „Heimat" hatte, ein eigenes Schulgebäude. Das Schulhaus
am Aschoff-Platz blieb auch nach dem Auszug des BG für das Droste
nur „Asyl", da es auf lange Sicht für das wieder zu errichtende
Friedrich-Gymnasium vorgesehen war. Überdies war es für die Bedürfnisse
eines math.- naturwissenschaftlichen Gymnasiums nur unvollkommen
ausgestattet. So blieb als einzige Lösung ein Neubau. Nach dem Generalbebauungsplan
der Stadt vom Jahre 1955 sollte dieser Neubau „Auf dem Mättle" an
der Schlüsselstraße errichtet werden, während für die neue Herderner
Volksschule (heutige Weiherhof-Schule) das Gelände an der Brucknerstraße
vorgesehen war. Das Grundstück an der Schlüsselstraße war unbestritten
das bessere, günstiger im Schnitt und zentraler gelegen. So setzte
alsbald ein Tauziehen zwischen den Anhängern der einen und der anderen
Schule um diesen Standort ein. Insbesondere vertrat der Herderner
Lokalverein die Ansicht, daß nur die Volksschule in Verbindung mit
einer öffentlichen Bücherei, mit Mütterberatungsstelle, Volksbad
und Versammlungsraum das kulturelle Zentrum des Stadtteils darstellen
könne. Dieser Meinung schlossen sich schließlich auch Schulausschuß
und Stadtrat an und beschlossen 1957/58 den Austausch der Standorte.
1958
wurde der Droste-Neubau zusammen mit den Handelslehranstalten II
(Fehrenbachallee) auf den Dringlichkeitsplan für Schulneubauten
gesetzt; doch zeigte sich bereits ein Jahr später, daß die begrenzten
Finanzmittel der Stadt zwei derartige Projekte zur gleichen Zeit
nicht zuließen. Da die Entlastung der Handelslehranstalten an der
Glümerstraße mit 63 Klassen bei 36 Räumen noch vordringlicher war,
wurden die Planungen für das neue Droste zunächst wieder eingestellt.
Diese Entwicklung begreift man aus der zeitlichen Distanz als verständlich
und folgerichtig. Wer aber dringend auf einen Zug wartet, wird trotz
der ihm bekannten Gründe für die Verspätung immer ungeduldiger.
So wurde ein „engerer Architektenwettbewerb", der 1962 ausgeschrieben
wurde, hoffnungsvoll begrüßt. Sechs Architekten, die sich im Schulhausbau
bereits hervorgetan hatten, wurden aufgefordert, bis zum 11.4.1963
ihre Entwürfe einzusenden. Dem Preisträger sollten auch die weiteren
Planungen übertragen werden. Im Frühjahr 1963 entschied sich das
Preisgericht dann für den Entwurf des Stuttgarter
Architektenbüros Behnisch und Partner, später in weiten Kreisen
bekannt und berühmt geworden durch das Olympia-Zeltdach in München.
Im Juli 1964 gab der Gemeinderat grünes Licht für den Bau, im Frühjahr
1965 konnten die Bauarbeiten beginnen, als Termin für die Fertigstellung
war der 31. Juli 1967 vorgesehen. Das Droste freute sich, unbeeindruckt,
in seiner vorwiegend jugendlichen Unbekümmertheit, von den Baukosten
in Höhe von 9,9 Mill. DM.
Als
die Bauarbeiten begannen, war Herr Direktor Ketterer bereits Leiter
der Schule, und er trug nun seinen Teil Verantwortung an dem Neubau.
Nicht einmal das damalige Kollegium konnte ermessen, in welchem
Maße er engagiert war und sich engagieren mußte, um die Interessen
der „lebendigen" Schule gegenüber Gremien der Stadt und den Architekten
zu vertreten. Als es um die Innenausstattung, besonders der Fachräume,
ging, wurden auch die betreffenden Fachlehrer hinzugezogen. Wie
um die lange Wartezeit wettzumachen, machte der Bau schnelle Fortschritte.
Die Rohbauzeit wurde durch Montagebauweise in Fertigteilen so beschleunigt,
daß bereits am 9.12.1965 das Richtfest gefeiert werden konnte, und
knapp ein Jahr später, am 1.12.1966, dem Beginn des 2. Kurzschuljahres,
zog die Schule in ihr neues Haus ein. Die Turnhalle war schon am
1.Oktober und einzelne Räume einen Monat später freigegeben worden.
Die Schlüsselübergabe und die offizielle Eröffnung der neuen Schule
erfolgten am 17. März 1967.
Daß
der Neubau nicht unumstritten war, ist kein Geheimnis. Während die
einen seine architektonische Aufgeschlossenheit und nüchterne Sachlichkeit
lobten, bezeichneten andere den grauen Sichtbeton als „Herausforderung".
Es ist hier nicht der Ort, sich mit diesen Auffassungen auseinanderzusetzen.
Auch Angehörige des Droste fanden den in die Wohnlandschaft Herderns
eingebetteten Bau mit seinen Terrassen gut gelungen, während andere
vom Sichtbeton schockiert waren; der allergrößte Teil der Jugend
aber, der aus dem damals noch nicht renovierten Schulgebäude von
„anno dazumal" kam, fühlte sich im neuen Haus wohl. Der Leserbrief
einer Oberprima soll stellvertretend für diese Einstellung sprechen:
„Die Klasse Oberprima b des Droste-Hülshoff-Gymnasiums fühlt sich
durch den neuen Schulhausbau in keiner Weise „herausgefordert";
im Gegenteil: im Vergleich zum alten Schulgebäude am Ludwig-Aschoff-Platz,
das uns in seiner wilhelminisch überladenen Architektur eher bedrückte
und mit zu einem Gefühl der Schulunlust beitrug, fühlen wir uns
jetzt im Neubau auf erfreuliche Art „hereingefordert". Wir empfinden
die sogenannte „graue Nüchternheit" des Hauses durchaus nicht störend.
Sie vermittelt vielmehr eine Atmosphäre der Sachlichkeit, wie wir
sie uns für unsere Schule als Idealfall wünschen. Gemütlichkeit
haben wir daheim..." (22. März 1967)
Der
Einzug ins neue, ins eigene Haus war für unsere Schule ein Tag der
Erlösung und der Freude, und diesen Gefühlen gab auch, einige Monate
später, die offizielle Feier Ausdruck — in den Reden und in einem
Singspiel, wo Schülerinnen noch einmal von dem „fremden" Haus Besitz
ergriffen und staunend seine „Attraktionen" entdeckten. Daß die
neue Schule „die allerschönste" sein mußte, war bei dieser Gelegenheit
wohl eine erlaubte Übertreibung. Es soll nicht vergessen werden,
daß die Schule in dieser Feier auch der Dichterin gedachte, die
ihr den Namen gegeben hatte, weder Pflichtübung noch Huldigung,
sondern schlichte Besinnung auf die Droste. Feiern und Feste haben
ihre eigenen Gesetze. Wenn der Alltag zurückkehrt, ist die Auseinandersetzung
mit der Realität an der Tagesordnung. Nicht anders war es nach dem
17. März 1967. Und zur Realität gehörte auch das neue Haus mit der
ihm eigenen Konzeption. Wir hatten während der Wintermonate bereits
Erfahrungen mit dem Neubau gewonnen. Am unangenehmsten war uns die
zu geringe Luftfeuchtigkeit in den Räumen aufgefallen. Auseinanderzusetzen
hatten wir uns auch mit der „Offenheit" des Hauses, Ausdruck einer
„offenen Gesellschaft", die die notwendige Einschränkung der Freizügigkeit
der Schüler während der Schulzeit sehr erschwerte. Daher immer wieder
der Ruf nach einer neuen, besseren Hausordnung!
Der
Neubau bezeichnet zweifellos eine wesentliche Zäsur in der Geschichte
unserer Schule. Aber das Schulgebäude gibt doch nur den äußeren
Rahmen für Leben und Arbeit in der Schule ab. Das sollte sich in
den 10 Jahren seines Bestehens deutlich zeigen. Eine wichtige Neuerung
war im Schuljahr 1966/67 die Einführung der Koedukation, die das
Gesicht der Schule fortan prägte. Das männliche Element, zunächst
unterrepräsentiert, macht heute wohl die Hälfte der Schüler aus.
1966 hat die Aufnahme einer großen Zahl von Buben die Schülerzahl
ansteigen lassen. Noch entschiedener bewirkte das die Auflage der
Stadt für das Kurzschuljahr 1966/67 und das folgende normale Schuljahr
1967/68, alle in den übrigen Schulen nicht unterzubringenden Sextaner
aufzunehmen. So kam es, daß das Droste 1967 5 Quinten und 6 Sexten
hatte, das hieß 50 Prozent der gesamten Schülerzahl saß in den beiden
untersten Klassen — es zeichnete sich ein aus seinen Nähten platzendes
Droste-Hülshoff-Gymnasium ab! (Hinter dem Zustrom zu den Gymnasien
stand eine Bildungspolitik, die hier nur mit den Stichworten „Student
aufs Land" und „Gleichheit der Bildungschancen" angedeutet werden
soll.)
Zur
internen Notlage — Raumnot, Lehrermangel — kam nun 1968 die sogenannte
Studentenrevolte, die auch die Schüler erfaßte. Hier wehte der Wind
aus der politischen Ecke. Die Frage nach den Motiven, den Zielsetzungen,
den Mitteln der protestierenden Studenten und Schüler kann nicht
Gegenstand dieser Ausführungen sein. Es bleibt für das Droste zu
konstatieren, daß es seiner stadtfernen Lage wohl verdankte, von
der Unruhe und den Störungen weniger betroffen zu sein als andere
Schulen Freiburgs. Es war allerdings früher Zielscheibe des Protestes
als jene. Im November 1967 wurde die damals in der Schule stattfindende
Religiöse Woche durch Aktionen der Humanistischen Studenten-Union
unerwartet gestört. Wenn man im nachhinein den Briefwechsel zwischen
Direktion, Elternvertreter, Eltern und HSU liest, erkennt man, daß
zu diesem Zeitpunkt und in der anstehenden Frage es durchaus möglich
war, den Standpunkt der Schule zu vertreten und Einmischung abzuwehren.
In der folgenden Zeit war das wesentlich schwieriger oder gar nicht
möglich. Trotzdem kam es nicht zum Chaos, wenn es auch kritische
Augenblicke gab — davor wurde die Schule bewahrt durch den vernünftigen
Einsatz von Schülern und Lehrern. Die Ereignisse dieser Zeit haben,
wie überall, eine gewisse Veränderung des Klimas und des Stils bewirkt:
ein Indiz dafür ist die von den Schülern gewünschte Abschaffung
der feierlichen Schuljahrsabschlußfeier, in ihren Augen ein alter
Zopf. Eine gemütliche Zeit war es nicht. Beim Durchblättern des
Leitzordners mit seinen zahllosen Flugblättern, Stellungnahmen,
Schülerzeitungen, Rundschreiben etc. spürt man das förmlich. Es
ist jedoch tröstlich, zwischen dem Flugblatt der „Projektgruppe
Internationalismus" und der Veröffentlichung des Arbeitskreises
„Dynamische Demokratie" ein hektographiertes Blatt der damaligen
Schulsprecherinnen: „Informationen zum Sommerfest" zu finden oder
an anderer Stelle den handschriftlichen Dank einer Schulsprecherin
an das Kollegium für die Mitwirkung bei den beliebten traditionellen
Fasnachtsbällen. Feste wurden also immer noch gefeiert, ebenso wie
Landschulheimaufenthalte stattfanden, Reisen nach Berlin gemacht,
vergnügliche interne Abiturfeiern abgehalten, Wettkämpfe ausgetragen
wurden. Hieran knüpfen sich für Schüler wie Lehrer viele schöne
Erinnerungen — sie sollten über so viel Problematik nicht vergessen
werden.
Die
Entwicklung des Droste zur „großen" Schule beginnt, wie wir gesehen
haben, 1967. Der damalige Direktor, Herr Ketterer, war gezwungen,
die ersten einschneidenden Maßnahmen zu ergreifen: Fachräume, die
lange erträumt und erhofft worden waren, wurden als Klassenzimmer
benutzt, der große Raum für Klassenarbeiten wurde durch eine Zwischenwand
in 2 kleine Klassenzimmer geteilt und ging für seinen Zweck verloren,
selbst das kleine SMV-Zimmer „entfremdete" man und machte die Schülervertretung
heimatlos. Zeitweilig mußten Räume in der Weiherhofschule in Anspruch
genommen werden, so daß der aus der unmittelbaren Nachkriegszeit
noch bekannte Pendelverkehr der Lehrer seine Wiederkehr feierte.
Im Januar 1970 verlor die Schule ihren Direktor durch den Tod. Er
starb nach kurzer, schwerer Krankheit bald nach seinem 60. Geburtstag.
Im Dezember desselben Jahres übernahm Herr Oberstudiendirektor Dr.
Klocke, bisher Schulleiter in Überlingen, die Schulleitung. Er hat
den Höhepunkt des Wachstums der Schule mit annähernd 1000 Schülern,
das heißt mit 35 Klassen erlebt und die damit verbundenen Schwierigkeiten
zu meistern gehabt. Die Einführung des Fachraumsystems (Schüler
wandern!) im Jahre 1972 brachte eine bessere Ausnutzung der vorhandenen
Raumkapazitäten und milderte etwas die Raumnot. Aber es waren nicht
nur räumliche Probleme mit der Expansion der Schule verbunden. Große
Schulen bringen zwangsläufig zahlreiche pädagogische Notstände mit
sich. Aus diesem Grunde vor allem wird die rückläufige Bewegung,
die eingesetzt hat, von allen Beteiligten begrüßt. Vorausgesetzt,
daß empfindliche Störungen unterbleiben, kann der Schrumpfungsprozeß
mit einer inneren Konsolidierung verbunden sein. Auch Herr Direktor
Klocke mußte sich noch mit Bauprojekten und Bauplänen befassen.
Die Turnhalle reichte für die ständig steigenden Schülerzahlen schon
bald nicht mehr aus. Grundsätzlich war die Stadt bereit, Abhilfe
durch den Bau einer 2. Halle zu schaffen. Erst ein 2. Entwurf jedoch,
der in der Größe den Vorstellungen der Sportlehrer und den Normen
für Turnhallenneubauten entsprach, brachte die Angelegenheit weiter.
Auch um den Standort gab es Auseinandersetzungen: gegen die Spielwiese
prote- stierten die Nachbarn, so daß nur der Platz vor der alten
Halle übrig blieb. Zu Beginn des Schuljahres 1976/77 konnte die
moderne Turnhalle in Betrieb genommen werden — zur Freude der Schule,
aber auch der Vereine, die allabendlich die Sporteinrichtungen des
Droste benutzen. Wir sind am Ende unserer kurzen Rückschau angelangt.
Was die Zukunft unserer Schule in allernächster Zeit bringt, wird
sie mit den anderen Gymnasien teilen: die Einführung der reformierten
Oberstufe, eine unter Umständen tiefgehende strukturelle Veränderung
des Gymnasiums. Was aber ungeachtet dieser oder sonstiger Veränderungen
Aufgabe der Schule sein wird und muß, ist nichts Neues, nichts Besonderes:
es ist die Aufgabe aller, für die produktive Arbeit die notwendige
Atmosphäre zu schaffen, es ist die Aufgabe der Lehrer, der heranwachsenden
Jugend verständnisvolle Führung und Hilfe auf dem nicht immer leichten
Weg durch die Gymnasialjahre zu geben. Die Rückschau auf die dreißigjährige
Geschichte unserer Schule hat gezeigt, daß die Schule als pädagogische
Provinz nicht außerhalb des Stromes der Zeit liegt, sondern an allen
ihren Strömungen, guten wie schlechten, teilhat. Immer wird die
Schule ein Kind ihrer Zeit sein.
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