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Gaby
Roscher-Thomeé:
"What a wonderful world..."
Eine Kloriosität
Die
Kindheit haben sie fast hinter sich. Schon sind es die erwachenden
Triebe, die die Pubertierenden Zerreißproben aussetzen.
Dass mehr hinter dieser Nahtstelle Kinderwelt - Erwachsenenwelt
steckt, zeigte die Unter- und Mittelstufen- Theater- AG des
Droste-Hülshoff-Gymnasiums in ihrer Eigenproduktion "What
a wonderful world'' vor den Pfingstferien.
Wenige
rudimentäre szenische Textvorgaben dienten als Anstoß
für Diskussionen, Handlungsstränge und thematische
Schwerpunkte, um die monatelang improvisiert wurde und die
dann zu Szenen fixiert wurden. Dass dieser Prozess bis wenige
Stunden vor der Premiere angehalten hatte, zeigte Sandra,
die motorradbegeisterte Schülerin, die mit unübersehbaren
Blessuren die Bühne betrat und von ihrer mißglückten
Motoradtour mit ihrem Cousin berichtete: keine Schminke, echt,
nämlich von einem Unfall kurz vor der Generalprobe, der
die Premiere zu kippen drohte. Die Gratwanderung zwischen
realem Alltag und Bühnengeschehen galt es in dem Stück
auszubalancieren.

Auf
dem Schulweg gleich zu Beginn vor gekonnter Graffiti-Kulisse
(8b mit Gaby Gebele) treffen die unterschiedlichsten Schülertypen
aufeinander; da werden Vokabeln, gebetsmühlenartig heruntergeleiert,
der Netzbau der Kreuzspinne ohne Vorstellungsvermögen
gepaukt. Doch da wird auch das zurückliegende Wochenende
lebendig: "Und dann kam Musik und dann hat er mich aufgefordert"
haucht Roswitha mit verklärtem Blick.
Auch
Angie hat es erwischt. Wie in Trance beschreibt sie
ihren Harald. Doch sie ist nicht die einzige. Auch Daniela
haben es die braunen Haare mit grüner Haarsträhne
von Super-Harald angetan. Im Toilettenvorraum, dem zentralen
Kommunikationsort der Schulkids, werden nicht nur unerfahrene
Mädchen wie Angie und Daniela in die geheime Kunst des
Küssens eingeführt, hier wird auch knallhart mit
Referaten gehandelt. Punk Bohne bietet alles, z.B. Geschichtsreferate
mit, aber auch ohne Fehler. Kunde Timo sind die Kopffhörer
schon an den Ohrmuscheln festgewachsen. Setzt er sie ab, fühlt
er sich amputiert. Der schüchtern verklemmte Computerfreak
Tommy mit enormen Kommunikationsproblemen startet als Darth
Vader seinen intergalaktischen Toilettenfeldzug.
Nur der genervte Schülerzeitungsredakteur
Andi zeigt wenig Interesse für das Schicksal der Jedi
Ritter, er versucht sich für die Schule zu engagieren,
erntet jedoch nur Unverständnis bei seinen Mitschülern
für seinen "selbstverschuldeten Stress''. Wenig Erfreuliches
hat auch die Putzfrau zu erwarten, ein herrlicher running
gag, der nicht nur der Szenenabfolge diente. Dass die "Soap
Opera" eben doch keine leichte Bühnenkost ist, auch nicht
nur ein verrückt-verquirltes Menü verschiedener
Schülerspezies, zeigte die Szene als Tina Sandra ihre
Flucht aus dem Elternhaus schildert: " Er steht auf, packt
mich Am Pullover, äh, diese Bierfahne zum Kotzen. Er
schlägt mich...." Spätestens hier macht unausweichliche
Authenzität der Spielerinnen den Zuschauer betroffen.
Diese Brocken werden nicht so schnell verdaut, auch wenn eine
gute Freundin in der schlimmsten Not zu helfen vermag.
Angelika
Birner und Annette Paulsen haben gezeigt, was Schultheater
sein kann: Erfahrungen mit Gefühl und Verstand, Phantasie-
und Körpersprache. Kein Kraftakt, der die Jungen Akteure
überfordert hätte, sondern ein Seiltanz mit Netz
und doppeltem Boden. Das Orchester unter der Leitung von Eleonore
Jahnke setzte mit dem Song "I just call to say I love
you " einen Ohrwurm. Die Idee, die im Original elektronisch
arrangierten Musiktitel auf klassische Orchesterinstrumente
zu übertragen, kam glänzend an.
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Angelika
Birner:
Über die Arbeit der Theater AG Unterstufe
Die Unterstufen AG bietet Schülerinnen
und Schülern der Klassen 6 - 8 Gelegenheit ihr Talent zum
Theaterspielen auszuprobieren. Wir spielen, improvisieren
Szenen und machen Bewegungstraining zur Erweiterungen des
eigenen Ausdrucksvermögens.
Nicht das Spielen nach Textvorlagen,
sondern das Spiel mit den eigenen Möglichkeiten, das spielerische
Umsetzen eigener Ideen und das Kennenlernen unterschiedlicher
Theatertechniken stehen im Vordergrund.
Theater kann so die Möglichkeit bieten, sich "frei" zu spielen,
sich in neuen Rollen auszuprobieren oder auch einfach nur
mal zu lachen - mit anderen, oder über sich selbst.
Sobald wir anfangen eine Präsentation
vorzubereiten, ist verbindliche Teilnahme erforderlich, jeder
muss sich auf den anderen verlassen können in der Gruppe und
im Spiel.
Die Arbeit hat jedes Jahr einen anderen
Schwerpunkt. 1998 war bestimmt vom Bau und Spiel mit Masken.
Dies mündete in Zusammenarbeit mit der Oberstufen AG in einer
Inszenierung des "Sommernachtsraums" . 1999 stand unter dem
Schwerpunkt Clowning und Bewegungstheater. Die Ergebnisse
dieser Arbeit waren eine Szenencollage mit dem Titel "O
Sole Mio" und eine eigene szenische Interpretation der
Kantate "Gockel Rag" von Michael Hurd (gesungen vom
Unterstufenchor des DHG).
In diesem Schuljahr haben wir nach einem
breitgefächerten Improvisationstraining ein eigenes Stück
mit dem Titel " What a Wonderful World" erarbeitet.
Es führt mit viel Humor und "Insiderwissen" durch eine Woche
Schulleben mit all seinen dramatischen Themen von A wie Angst
vor Mathearbeiten bis Z wie Zigarettenkippen und zeigt, was
in der Schule wirklich wichtig ist:
"Don't know much about History
Don't know much Biology
Don't know much about my Science book
Don't know much about the French I took But I know that 1
and 1 is 2
And I know that if you love me too
What a wonderful world this could be…." (Song von Sam Cooke)

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